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Judit 5-8 · Tag 111 · 2025

Mutig durch die Krise – Gott steht dir zur Seite!

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Als nun dem assyrischen Oberfeldherrn Holofernes berichtet wurde, daß die Israeliten sich zum Kriege rüsteten und daß sie die Pässe im Bergland gesperrt und die Spitzen aller höheren Berge befestigt und in den Ebenen Verhaue errichtet hätten,
da geriet er in großen Zorn und berief alle Fürsten der Moabiter und die Feldherren der Ammoniter und alle Statthalter des Küstenlandes
und sagte zu ihnen: Tut mir doch kund, ihr Kanaaniter: was ist das für ein Volk, das da im Berglande sitzt, und welche Städte bewohnt es? und wie stark ist ihre Streitmacht, und worin besteht ihre Stärke und Kraft? und wer ist ihr König, der ihr Heer befehligt,
und warum haben sie sich geweigert, mir entgegenzukommen, sie allein von allen Völkern hier im Westen?
Da antwortete ihm Achjor, der Anführer aller Ammoniter: Mein Herr wolle anhören, was dein Knecht dir sagen will, so will ich dir die Wahrheit verkünden in betreff dieses Volkes, welches das Bergland hier in deiner Nähe bewohnt, und kein unwahres Wort soll aus dem Munde deines Knechts kommen.
Dieses Volk besteht aus Nachkommen der Chaldäer.
Sie wohnten vordem in Mesopotamien. Weil sie nämlich den Göttern ihrer Väter, die im Lande der Chaldäer lebten, nicht folgen wollten,
fielen sie vom Glauben ihrer Vorfahren ab und verehrten den Gott des Himmels, den Gott, den sie kennen gelernt hatten. Darum vertrieb man sie aus der Gemeinschaft mit ihren Göttern, und sie flohen nach Mesopotamien, wo sie lange Zeit wohnen blieben.
Da gebot ihnen ihr Gott, diese Ansiedlung zu verlassen und in das Land Kanaan zu ziehen. Sie ließen sich dort nieder und wurden reich an Gold, Silber und sehr vielem Vieh.
Dann zogen sie nach Ägypten hinab, weil eine Hungersnot das Land Kanaan schwer bedrückte, und blieben daselbst wohnen, solange sie dort zu leben hatten, und vermehrten sich dort zu einer geradezu unzählbaren Menge.
Da trat der König von Ägypten gegen sie auf, man bedrückte sie arglistig mit Fronarbeit und Ziegelbrennen, mißhandelte sie und machte sie zu Sklaven.
Als sie nun ihren Gott um Hilfe anriefen, schlug dieser das ganze Land Ägypten mit unheilbaren Plagen, bis die Ägypter sie zuletzt aus ihrem Lande ziehen ließen.
Gott trocknete dann das Rote Meer vor ihnen aus,
ließ sie den Weg nach dem Sinai und Kades Barnea einschlagen, und sie vertrieben alle Völkerschaften, die in der Steppe wohnten.
Dann setzten sie sich im Lande der Amoriter fest und vernichteten durch ihre Streitmacht die Bewohner von ganz Hesbon; und nachdem sie dann den Jordan überschritten hatten, nahmen sie das ganze Bergland in Besitz,
vertrieben hierauf vor sich her die Kanaanäer, Pheresiter, Jebusiter, die Einwohner von Sichem und alle Girgasiter und blieben dort lange Zeit wohnen.
Und solange sie gegen ihren Gott nicht sündigten, ging es ihnen gut, denn ein Gott, der Unrecht haßt, ist mit ihnen.
Als sie aber von dem Wege, den er ihnen zur Pflicht gemacht hatte, abwichen, wurden sie in vielen Kriegen völlig zugrunde gerichtet und in ein fremdes Land in die Gefangenschaft weggeführt; der Tempel ihres Gottes wurde dem Boden gleichgemacht, und ihre Städte fielen den Feinden in die Hand.
Jetzt aber, da sie sich ihrem Gott wieder zugewandt haben, sind sie aus den Ländern, in die sie zerstreut worden waren, heimgekehrt und haben Jerusalem, wo ihr Heiligtum ist, wieder in Besitz genommen und sich in dem Berglande seßhaft gemacht, weil es herrenlos war.
Und nun, mein Herr und Gebieter, wenn dieses Volk sich etwas zu Schulden kommen läßt und sich an seinem Gott versündigt, so werden wir die Erfahrung machen, daß dies für sie den Untergang bedeutet, dann wollen wir hinaufziehen und sie unterwerfen.
Hat sich aber dieses Volk kein Unrecht zu Schulden kommen lassen, so möge mein Herr doch an ihnen vorüberziehen, sonst könnte ihr Herr und Gott sie in seinen Schutz nehmen und wir zum Spott der ganzen Welt werden.
Als nun Achjor mit diesem Vortrage zu Ende war, murrte die ganze Versammlung, die das Zelt im Kreise umgab, und die Großen des Holofernes und alle Bewohner der Seeküste und die Moabiter riefen, man solle ihn niederhauen,
indem sie erklärten: Wir haben keine Angst vor den Israeliten; sie sind ja ein Volk, das weder die Kraft noch den Mut zu einem nachdrücklichen Widerstand besitzt.
Darum laß uns ja hinaufziehen, Gebieter Holofernes; dein ganzes Heer wird sie bald aufgefressen haben!

Nachdem sich dann der Lärm der Männer rings im Kriegsrate gelegt hatte, sagte Holofernes, der Oberfeldherr des assyrischen Heeres, zu Achjor vor der ganzen Versammlung der Fremden und zu allen Moabitern:
Wer bist denn du, Achjor, mit deinen ephraimitischen Mietlingen, daß du heute eine solche Prophezeiung unter uns aussprichst und uns rätst, die Israeliten nicht zu bekriegen, weil ihr Gott sie beschützen würde? Wer ist denn Gott außer Nabuchodonosor? Dieser wird seine Heeresmacht entsenden und sie vom Erdboden vertilgen, ohne daß ihr Gott sie zu retten vermag.
Nein, wir, seine Knechte, werden sie zusammenhauen wie einen Mann, und dem Ansturm unserer Reiter werden sie nicht standhalten können;
denn mit diesen werden wir sie überfluten, so daß ihre Berge sich an ihrem Blute berauschen und ihre Gefilde mit ihren Leichen angefüllt werden; ihre Füße werden bei unserm Anblick nicht stehen bleiben, nein, bis auf den letzten Mann sollen sie umkommen, spricht der König Nabuchodonosor, der Herr der ganzen Erde. Ja, er hat’s gesagt, und was er bestimmt ausgesprochen hat, soll nicht unerfüllt bleiben.
Du aber, Achjor, du Mietling Ammons, der du diese Worte heute frevelhafterweise gesprochen hast, du sollst mein Angesicht von heute an nicht mehr sehen, bis ich Rache genommen habe an diesem Volke, das aus Ägypten stammt.
Alsdann aber soll das Schwert meines Heeres und der Speer meiner Diener dir die Brust durchbohren, und und du sollst unter ihren Erschlagenen daliegen, wenn ich zurückkomme.
Meine Knechte sollen dich ins Bergland fortschaffen und dich in einer von den Städten oben auf den Höhen festsetzen,
und du sollst erst dann sterben, wenn du mit jenen zusammen den Untergang findest.
Hoffst du aber wirklich in deinem Herzen, daß sie nicht eingenommen werden, so magst du immerhin zuversichtlich um dich blicken: ich habe gesprochen, und keines meiner Worte wird unerfüllt bleiben.
Darauf befahl Holofernes seinen Dienern, die in seinem Zelte gegenwärtig waren, den Achjor zu ergreifen, ihn nach Betylua zu schaffen und ihn den Israeliten auszuliefern.
Da ergriffen ihn die Diener, führten ihn zum Lager hinaus in die Ebene, brachten ihn von dort ins Gebirge und kamen mit ihm bis an die Quellen, die sich unterhalb Betyluas befanden.
Als nun die Männer in der Stadt sie erblickten, ergriffen sie ihre Waffen, zogen zur Stadt hinaus auf den Gipfel des Berges, und alle Schleuderer besetzten den Aufstieg zu ihnen und warfen mit Steinen nach ihnen.
Da traten jene unter einen Vorsprung des Berges, banden den Achjor, ließen ihn am Fuße des Berges liegen und kehrten zu ihrem Herrn zurück.
Die Israeliten aber kamen aus ihrer Stadt hinab, traten an ihn heran, banden ihn los und führten ihn nach Betylua; dort stellten sie ihn vor die Vorsteher der Stadt.
Es waren dies damals Ozias, der Sohn Michas aus dem Stamme Simeon, Chabris, der Sohn Gothoniels, und Charmis, der Sohn Melchiels.
Darauf riefen sie alle Ältesten der Stadt zusammen, und auch die jungen Männer und die Weiber eilten allesamt herbei zur Gemeindeversammlung. Nachdem sie nun den Achjor in die Mitte ihres Volkes hatten treten lassen, befragte Ozias ihn über das, was geschehen war.
Da nahm jener das Wort und teilte ihnen alle Verhandlungen aus dem Kriegsrat des Holofernes mit und alles, was er selbst inmitten der assyrischen Heerführer gesagt und wie Holofernes gegen das Haus Israel geprahlt hatte.
Da warf sich das Volk nieder, betete Gott an und rief aus:
Herr, Gott des Himmels, beachte ihr übermütiges Verhalten und erbarme dich der Not unseres Volkes und blicke gnädig auf die hin, welche sich heute für dich geheiligt haben!
Dann sprachen sie dem Achjor Mut zu und lobten ihn sehr;
Ozias aber nahm ihn aus der Versammlung mit in sein Haus und richtete den Ältesten ein Gastmahl zu; und man rief den Gott Israels jene ganze Nacht hindurch um Hilfe an.

Am folgenden Tage aber befahl Holofernes seinem ganzen Heere und allen mit ihm verbündeten Mannschaften, gegen Betylua aufzubrechen, die Zugänge zum Berglande zu besetzen und so den Krieg gegen die Israeliten zu eröffnen.
So brachen denn an diesem Tage alle ihre Kriegsleute auf, und ihre Streitmacht betrug 120000 Mann zu Fuß und 12000 Reiter, ungerechnet den Troß und was an Leuten mit ihnen zog, eine ganz gewaltige Menge.
Sie lagerten sich dann in dem Tale unweit Betyluas an der Quelle und dehnten sich aus in die Breite bis Dothaim und Belbaim, und in die Länge von Betylua bis Kyamon, welches Esdrelom gegenüber liegt.
Als nun die Israeliten ihre große Zahl sahen, gerieten sie in gewaltige Bestürzung und sagten zueinander: Nun werden diese das ganze Land auffressen, und weder die hohen Berge, noch die Schluchten, noch die Hügel werden ihre Last tragen können.
Doch griffen sie alle zu den Waffen, zündeten Feuer auf ihren Türmen an und hielten Wache die ganze folgende Nacht hindurch.
Am nächsten Tage ließ Holofernes seine ganze Reiterei vor den Augen der Israeliten in Betylua ausziehen,
ließ die Zugänge zu ihrer Stadt auskundschaften und die dortigen Wasserquellen aufsuchen, nahm Besitz davon und stellte Abteilungen von Kriegsleuten bei ihnen auf; dann kehrte er persönlich zu seinem Kriegsvolke zurück.
Da traten zu ihm alle Obersten der Edomiter und alle Anführer der Moabiter und die Feldherren der Meeresküste und sagten zu ihm:
Unser Gebieter wolle doch einen Vorschlag von uns anhören, damit deiner Streitmacht kein Unfall widerfährt.
Dieses israelitische Volk setzt nämlich sein Vertrauen nicht auf seine Lanzen, sondern auf die Höhe seiner Berge, auf denen es wohnt, weil es nicht leicht ist, die Berggipfel hier zu erklimmen.
So führe also jetzt, Gebieter, den Krieg gegen sie nicht so, wie sonst der Krieg in offener Feldschlacht geführt wird; dann wird kein einziger Mann von deinem Heere fallen.
Bleibe ruhig in deinem Lager, halte alle Leute deines Heeres vom Kampfe zurück und laß deine Knechte nur die Wasserquelle besetzen, die am Fuße des Berges entspringt;
denn von dort holen alle Einwohner Betyluas ihr Wasser; der Durst wird sie alsdann umbringen, so daß sie ihre Stadt übergeben müssen. Wir aber und unsere Leute wollen auf die benachbarten Berggipfel hinaufziehen und uns dort lagern, um zu verhindern, daß jemand aus der Stadt entkomme,
Sie werden dann samt ihren Weibern und Kindern vor Hunger verschmachten und, ehe noch das Schwert über sie kommt, in den Straßen ihres Wohnorts am Boden liegen.
Dann kannst du ihnen einen schlimmen Lohn dafür zahlen, daß sie dir Widerstand geleistet haben und dir nicht in Frieden entgegengekommen sind.
Diese ihre Worte fanden den Beifall des Holofernes und aller seiner Diener, und man beschloß, nach diesem Vorschlage zu verfahren.
So machte sich denn die Heerschar der Ammoniter, verstärkt durch 5000 Assyrer, auf den Weg, lagerten sich im Tale und besetzten alle Gewässer und Quellen der Israeliten.
Ebenso zogen die Edomiter und Ammoniter hinauf und bezogen ein Lager auf den Anhöhen gegenüber Dothaim; eine Abteilung von ihren Leuten sandten sie nach Südosten in die Gegend gegenüber Ekrebel, das nahe bei dem am Bache Mochmur gelegenen Chus liegt. Das übrige Heer der Assyrer aber lagerte in der Ebene und bedeckte das ganze Land; ihre Zelte und das Gepäck bildeten ein Lager mit einer großen Menschenmenge, deren Zahl ganz gewaltig war.
Die Israeliten aber riefen den Herrn, ihren Gott, um Hilfe an, denn aller Mut war ihnen entschwunden, weil alle ihre Feinde sie umzingelt hatten und keine Möglichkeit da war, aus ihrer Umschließung zu entkommen.
Das ganze assyrische Heer aber, Fußvolk, Wagen und Reiter, blieb rings um sie gelagert 34 Tage lang, so daß allen Einwohnern Betyluas alle ihre Wasservorräte ausgingen.
Auch die Zisternen wurden leer, und sie hatten nicht mehr für einen Tag Wasser, um sich satt zu trinken, weil man ihnen das Wasser kärglich abgemessen zu trinken gab.
Da verloren ihre kleinen Kinder alle Lebenskraft, die Frauen und jungen Männer wurden vor Durst ohnmächtig und fielen auf den Straßen der Stadt und in den Durchgängen der Tore nieder und hatten keine Kraft mehr in sich.
Da lief die ganze Bevölkerung, Jünglinge, Weiber und Kinder, vor den Häusern des Ozias und der übrigen Vorsteher der Stadt zusammen und riefen allen Ältesten laut die Worte zu:
Gott sei Richter zwischen euch und uns! Ihr habt euch schwer an uns verschuldet, daß ihr euch nicht friedlich mit den Assyrern abgefunden habt.
Jetzt gibt es keine Hilfe mehr für uns, sondern Gott hat uns in ihre Hände dahingegeben, daß wir vor Durst und großem Unheil vor ihnen hingestreckt am Boden liegen.
Ruft sie nun herbei und übergebt die ganze Stadt den Leuten des Holofernes und seiner ganzen Heeresmacht zur Plünderung!
Es ist ja das Beste für uns, ihre Beute zu werden; wir werden dann zwar Sklaven sein, aber doch das Leben behalten und brauchen nicht den Tod unserer Kleinen mit unsern Augen angesehen und wie unsere Frauen und Kinder verschmachten.
Wir beschwören euch beim Himmel und bei der Erde, bei unserem Gott und dem Herrn unserer Väter, der uns für unsere Sünden und für die Übeltaten unserer Väter straft, daß er am heutigen Tage nicht das eintreten lasse, was wir da ausgesprochen haben!
Und es erhob sich ein lautes und allgemeines Wehklagen inmitten der Versammlung und sie schrieen zu Gott dem Herrn mit lauter Stimme.
Da sprach Ozias zu ihnen: Seid mutig, ihr Brüder! Laßt uns noch fünf Tage aushalten, in denen der Herr, unser Gott, sein Erbarmen uns zuwenden wird; denn er wird uns nicht gänzlich verlassen.
Sind diese Tage vergangen, ohne daß uns Hilfe gekommen ist, so will ich eurem Verlangen nachkommen.
Hierauf entließ er die Männer in ihr Lager, und sie verfügten sich auf die Mauern und die Türme der Stadt; die Weiber und Kinder dagegen ließ er sich in ihre Häuser begeben. In der Stadt aber herrschte große Mutlosigkeit.

III. Dritter Teil: Der Rettungsplan der Judith und seine Ausführung
Dieses vernahm damals auch Judith, die Tochter Meraris, des Sohnes des Ox, des Sohnes Josephs, des Sohnes Oziels, des Sohnes Elkias, des Sohnes des Ananias, des Sohnes Gedeons, des Sohnes Raphains, des Sohnes Ahitobs, des Sohnes des Elias, des Sohnes des Helkias, des Sohnes Eliabs, des Sohnes Nathanaels, des Sohnes Salamiels, des Sohnes Sarasadais, des Sohnes Israels.
Ihr Gatte Manasse war aus demselben Stamm und Geschlecht gewesen wie sie, war aber in den Tagen der Gerstenernte gestorben.
Denn als er bei dem Garbenbinder auf dem Felde stand, hatte er bei dem Glutwind einen Sonnenstich erlitten, hatte sich zu Bett legen müssen und war in seiner Vaterstadt Betylua gestorben; man hatte ihn bei seinen Vätern auf dem Felde zwischen Dothaim und Balamon begraben.
Judith war dann als Witwe drei Jahre und vier Monate in ihrem Hause geblieben,
hatte sich auf dem Dache ihres Hauses eine Hütte eingerichtet, sich Sacktuch um ihre Hüfte gelegt und ihre Witwenkleidung ohne Unterbrechung beibehalten.
Sie fastete an allen Tagen ihrer Witwenschaft außer an den Tagen vor dem Sabbat und an den Sabbaten, an den Neumonden und dem Tage zuvor und an den großen Festen und den Freudentagen des Hauses Israel.
Sie war schön von Gestalt und eine reizende Erscheinung. Ihr Gatte Manasse hatte ihr Gold und Silber, Knechte und Mägde, Vieh und Äcker hinterlassen, in deren Besitz sie geblieben war.
Niemand konnte ihr etwas Böses nachsagen denn sie war überaus gottesfürchtig.
Judith hatte nun die bösen Reden des Volkes gegen den Vorsteher der Stadt vernommen, weil man wegen des Wassermangels mutlos geworden war; auch die ganze Antwort hatte sie gehört, die Ozias den Leuten gegeben hatte, wie er ihnen eidlich angekündigt hatte, er wolle die Stadt den Assyrern nach fünf Tagen übergeben.
Da sandte sie ihre Zofe, die über ihr ganzes Hauswesen gesetzt war, und ließ die drei Ältesten der Stadt, Ozias, Chabris und Charmis, zu sich rufen.
Als sie zu ihr gekommen waren, sagte sie zu ihnen: Hört mich an, ihr Vorsteher der Bewohner von Betylua! Nicht recht ist die Rede gewesen, die ihr heute an das Volk gerichtet habt, und nicht recht, daß ihr einen Eid zwischen Gott und euch errichtet und euch verpflichtet habt, die Stadt unsern Feinden zu übergeben, wenn der Herr sich nicht in dieser Zeit dazu hinwende, uns Hilfe zu leisten.
Ja, wer seid ihr denn, daß ihr am heutigen Tage Gott versucht habt und an Gottes Statt inmitten der Menschenkinder auftretet?
Ja, erforscht nur den allmächtigen Herrn, ihr werdet doch in alle Ewigkeit nichts erkennen.
Ihr könnt ja nicht einmal die Tiefe eines Menschenherzens ergründen und dessen geheime Gedanken erfassen: wie wollt ihr da Gott, den Schöpfer dieses ganzen Weltalls, erforschen und seinen Sinn erkennen und seine Gedanken verstehen? Nein, meine Brüder! reizt den Herrn, unsern Gott, nicht zum Zorn!
Denn wenn er uns in den fünf Tagen nicht helfen will, so hat er doch die Macht, uns zu beschützen, an welchem Tage immer er will, oder aber auch uns vor den Augen unserer Feinde zu vernichten.
Sucht ihr aber die Ratschläge des Herrn, unseres Gottes, nicht zu erzwingen; denn Gott läßt sich nicht drohen wie ein Mensch und ist nicht schwankend in seinen Entschlüssen wie ein Menschenkind.
Darum laßt uns die Rettung von ihm geduldig erwarten und ihn zu unserer Hilfe anrufen: er wird auf unsern Hilferuf hören, wenn es ihm gefällt.
Denn in unseren Geschlechtern ist es weder früher vorgekommen, noch ist es heutigestags der Fall, daß ein Stamm oder eine Familie, ein Gau oder eine Stadt Götter anbetet, die von Menschenhand gemacht sind, wie dies in früheren Zeiten geschehen ist,
wofür unsere Väter dem Schwert und der Plünderung preisgegeben und vor unsern Feinden so tief ins Unglück geschleudert worden sind.
Wir aber kennen keinen anderen Gott als ihn; darum hoffen wir auch, daß er uns und alle zu unserm Geschlecht Gehörigen nicht unbeachtet lassen wird.
Denn wenn unsere Stadt erobert wird, so ist es um ganz Judäa geschehen; dann wird unser Heiligtum geplündert werden, und der Herr wird uns für dessen Entweihung verantwortlich machen,
wird den Mord unserer Brüder und die Gefangenschaft der Landesbewohner und die Verwüstung unseres Erblandes uns zur Last legen unter den Völkern, wo immer wir ihnen als Knechte dienen müssen, und wir werden ein Gegenstand der Verachtung und der Schmach für die sein, die als Herren über uns schalten;
denn unsere Knechtschaft wird nicht zum Segen über uns ausschlagen, sondern der Herr, unser Gott, wird sie uns zur Schmach werden lassen.
Nun also, ihr Brüder, laßt uns unsern Brüdern zeigen, daß ihr Leben von uns abhängt und daß das Heiligtum, sowohl der Tempel als auch der Altar, fest auf uns gegründet ist.
Im Hinblick auf dies alles laßt uns dem Herrn, unserem Gott, Dank sagen, der uns jetzt versucht, wie er’s auch bei unsern Vätern getan hat.
Denkt an alles, was er mit Abraham gemacht und wie er Isaak versucht hat und was alles dem Jakob im syrischen Mesopotamien widerfahren ist, als er die Herden seines Oheims Laban hütete.
Denn wie er jene ernstlich geprüft hat zur Erforschung ihres Herzens, so hat er auch uns jetzt nicht gestraft; sondern zur Warnung züchtigt der Herr die, welche ihm nahen.
Da antwortete ihr Ozias: Alles, was du gesagt hast, hast du mit aufrichtigem Herzen geredet, und niemand wird deinen Worten widersprechen;
denn nicht heute erst ist deine Weisheit offenkundig, sondern vom Anfang deines Lebens an hat alles Volk deine Einsicht anerkannt, wie denn ja alles, was du sinnst und denkst, vortrefflich ist.
Aber das Volk litt gar sehr unter dem Durst und hat uns gezwungen, so zu tun, wie wir ihnen versprochen haben, und uns durch einen Eid zu binden, den wir nicht brechen werden.
Nun aber bete für uns, denn du bist eine fromme Frau, so wird der Herr den Regen senden, der zur Füllung unserer Zisternen nötig ist, damit wir nicht länger Mangel leiden.
Da erwiderte ihnen Judith: Hört mich an! Eine Tat will ich vollführen, die bei den Angehörigen unsers Volks bis zu den spätesten Geschlechtern gelangen soll.
Steht ihr diese Nacht hindurch am Tore; ich will dann mit meiner Zofe hinausgehen, und innerhalb der Tage, nach deren Ablauf ihr die Stadt den Feinden zu übergeben gelobt habt, wird der Herr durch mein Tun Israel gnädig heimsuchen.
Fragt nicht, was ich zu tun gedenke; denn ich werde es euch nicht sagen, bis mein Vorhaben zur Ausführung gekommen ist.
Da sagten Ozias und die übrigen Vorsteher zu ihr: Gehe hin in Frieden! und Gott der Herr sei mit dir, um Rache an unseren Feinden zu nehmen!
Hierauf verließen sie die Hütte und begaben sich auf ihre Posten.

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Veröffentlicht am 21. April 2025Laufzeit 23 Min. 24 Sek.

Personen in dieser Folge

Samuel Glöggl

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