Tobit 10-14 · Tag 109 · 2025
Gott führt dich ans Ziel – vertraue ihm!
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IV. Rückkehr des Tobias, Heilung Tobits, Abschied Raphaels
Unterdessen rechnete sein Vater Tobit täglich die Zeit nach, und als die für die Reise bestimmten Tage vorüber waren und er nicht zurückkam,
sagte er: Sollte er etwa zurückgewiesen worden sein? oder sollte Gabael gestorben sein und niemand ihm das Geld geben wollen?
So war er tief bekümmert.
Seine Frau aber sagte zu ihm: Unser Sohn ist tot; deswegen bleibt er so lange aus; und sie begann um ihn zu weinen und rief aus:
Du machst mir Kummer, mein Kind, daß ich dich, das Licht meiner Augen, habe fortziehen lassen!
Tobit aber sagte zu ihr: Schweig und sorge dich nicht; er ist gesund!
Doch sie erwiderte ihm: Schweig und täusche mich nicht: mein Kind ist tot! Und sie ging Tag für Tag an den Weg hinaus, auf dem er fortgegangen war; bei Tage nahm sie keine Nahrung zu sich, und nachts hörte sie nicht auf, ihren Sohn Tobias zu beweinen, bis die vierzehn Hochzeitstage vorüber waren, die er, wie Raguel ihn beschworen hatte, dort zubringen musste.
Schließlich aber sagte Tobias zu Raguel: Laß mich ziehen, denn mein Vater und meine Mutter haben gewiß schon keine Hoffnung mehr, mich wiederzusehen.
Da antwortete ihm sein Schwiegervater: Bleibe bei mir, ich will zu deinem Vater schicken und ihm Nachricht über dein Ergehen geben lassen.
Doch Tobias entgegnete: Nein, laß mich zu meinem Vater zurückkehren!
Da stand Raguel auf, übergab ihm seine Frau Sara und die Hälfte seines Vermögens an Sklaven, Vieh und Geld,
gab ihnen seinen Segen und entließ sie mit den Worten: Der Gott des Himmels lasse es euch gut ergehen, bevor ich sterbe! Weiter sagte er zu seiner Tochter: Ehre deine Schwiegereltern, sie sind jetzt deine Eltern; möchte ich immer gute Kunde von dir vernehmen! hierauf küßte er sie. Edna aber sagte zu Tobias: Lieber Bruder! der Gott des Himmels wolle dich glücklich heimführen und mir vergönnen, noch Kinder von dir und meiner Tochter Sara zu sehen, damit ich mich freuen kann vor dem Herrn. Siehe, ich vertraue dir meine Tochter als ein Unterpfand an; betrübe sie nicht!
Darauf zog Tobias weg, indem er Gott für den glücklichen Verlauf seiner Reise pries; unter Segenswünschen verabschiedete er sich dann von Raguel und dessen Frau Edna.
Unterwegs, als sie schon in die Nähe von Ninive gekommen waren, sagte Raphael zu Tobias: Du weißt doch, mein Bruder, in welchem Zustand du deinen Vater verlassen hast.
Wir wollen vorauseilen und deine Frau zurücklassen und das Haus instand setzen.
Nimm aber die Galle des Fisches zur Hand. So machten sie sich denn auf den Weg, und der Hund lief hinter ihnen her.
Anna aber saß an der Straße und schaute nach ihrem Sohne aus.
Als sie ihn nun kommen sah, rief sie seinem Vater zu: Siehe, da kommt mein Sohn mit dem Manne, der ihn begleitet hat!
Raphael hatte aber zu Tobias gesagt: Ich weiß, daß dein Vater das Augenlicht wiedererhalten wird.
Streiche du ihm also die Galle in die Augen, das wird ihn beißen und er wird sich die Augen reiben; dann werden die weißen Flecken abfallen, und er wird dich sehen.
Anna lief also auf ihren Sohn zu, fiel ihm um den Hals und sagte: Ich habe dich wiedergesehen, mein Kind, nun will ich gern sterben! und beide weinten.
Tobit kam an die Tür hinaus, stieß sich aber dabei; doch sein Sohn eilte auf ihn zu,
faßte seinen Vater und strich ihm die Galle in die Augen, indem er dabei sagte: Sei ohne Angst, mein Vater!
Als er aber Schmerz empfand, rieb er sich die Augen;
da lösten sich die weißen Flecken wie Schuppen von seinen Augenwinkeln ab, und als er seinen Sohn sah, fiel er ihm um den Hals
und weinte und rief aus: Gepriesen seist du, o Gott, und gepriesen sei dein Name ewiglich, und gepriesen seien alle deine heiligen Engel!
Du hast mich gezüchtigt und dich meiner erbarmt. Da sehe ich ja meinen Sohn Tobias! Hierauf trat sein Sohn voller Freude ins Haus und erzählte seinem Vater die großen Dinge, die er in Medien erlebt hatte.
Tobit aber ging seiner Schwiegertochter freudig bis ans Tor von Ninive entgegen, indem er Gott pries; und alle, die ihn gehen sahen, waren verwundert darüber, daß er wieder sehen konnte;
Tobit aber sprach offen vor ihnen aus, daß Gott sich seiner erbarmt habe. Und als er mit seiner Schwiegertochter Sara zusammengetroffen war, wünschte er ihr Gottes Segen mit den Worten: Sei willkommen, meine Tochter! Gepriesen sei Gott, der dich zu uns geführt hat, und auch dein Vater und deine Mutter! Und Freude herrschte bei allen seinen Volksgenossen in Ninive.
Es stellte sich auch Achjachar mit seinem Neffen Nasbas ein,
und man feierte die Hochzeit des Tobias sieben Tage lang mit Freuden.
Hierauf rief Tobit seinen Sohn Tobias und sagte zu ihm: Mein Sohn, denke an den Lohn für den Mann, der dich auf der Reise begleitet hat, und du mußt ihm auch etwas zulegen.
Er antwortete: Mein Vater, ich leide keinen Schaden, wenn ich ihm die Hälfte von dem gebe, was ich mitgebracht habe.
Er hat mich ja doch gesund zu dir zurückgebracht, hat meiner Frau Heilung verschafft, hat mir das Geld geholt und auch dich geheilt.
Da sagte der Alte: Das gebührt ihm.
Er rief dann den Engel herbei und sagte zu ihm: Nimm die Hälfte von allem, was ihr mitgebracht habt, und ziehe hin mit Frieden!
Da rief jener die beiden beiseite und sagte zu ihnen: Preist Gott und dankt ihm, gebt ihm die Ehre und dankt ihm vor allen Lebenden für das, was er an euch getan hat. Recht ist es, Gott zu preisen und seinen Namen zu verherrlichen, indem ihr die Werke Gottes mit Rühmen verkündet; ja, zögert nicht, ihm zu danken!
Es gebührt sich, das Geheimnis eines Königs verborgen zu halten, aber die Werke Gottes mit Rühmen zu verkündigen. Tut Gutes, so wird euch nichts Böses widerfahren.
Löblich ist Gebet in Verbindung mit Fasten und Almosengeben und Gerechtigkeit; besser ist ein kleiner Besitz mit Gerechtigkeit als ein großer mit Ungerechtigkeit; besser Almosen spenden als Gold aufhäufen.
Denn Wohltätigkeit errettet vom Tode, und diese ist es, die jede Sünde sühnt; wer da Barmherzigkeit und Gerechtigkeit übt, wird langes Leben erlangen;
die Sünder aber sind Feinde ihres eigenen Lebens.
Ich will nichts vor euch geheim halten. Ich habe soeben gesagt, es sei löblich, das Geheimnis eines Königs verborgen zu halten, aber die Werke Gottes mit Rühmen zu verkünden.
Und nun als ihr euer Gebet darbrachtet, du und deine Schwiegertochter Sara, da war ich es, der euer Gebetsopfer vor den Heiligen brachte; und als du die Toten begrubest, da bin ich ebenso bei dir gewesen.
Und als du nicht zögertest aufzustehen und deine Mahlzeit zu verlassen, um hinzugehen und den Toten zu bestatten, da ist deine Liebestat mir nicht verborgen geblieben, sondern ich war bei dir.
Und jetzt hat Gott mich abgesandt, dich und deine Schwiegertochter Sara zu heilen.
Ich bin Raphael, einer von den sieben heiligen Engeln, welche die Gebete der Heiligen hinaufbringen und Zutritt zu der Herrlichkeit des Heiligen haben.
Da erschraken die beiden und warfen sich auf ihr Angesicht nieder, denn sie fürchteten sich.
Doch er sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, Friede sei mit euch! Preist aber Gott ewiglich!
Denn ich bin nicht aus eigener Liebesbezeigung gekommen, sondern auf das Geheiß unsers Gottes; daher preist ihn ewiglich.
Während der ganzen Zeit, da ich euch sichtbar gewesen bin, habe ich weder gegessen noch getrunken, sondern eine Erscheinung habt ihr gesehen.
Und jetzt preist Gott, denn ich gehe wieder zu dem hinauf, der mich abgesandt hat, und schreibt alles, was geschehen ist, in ein Buch.
Als sie nun aufstanden, sahen sie ihn nicht mehr;
sie priesen aber die großen und wunderbaren Taten Gottes und verkündeten, daß ihnen der Engel des Herrn erschienen sei.
Darauf schrieb Tobit ein Freudengebet nieder, das folgendermaßen lautete: Gepriesen sei Gott, der da ewiglich lebt, und sein Königtum!
Denn er züchtigt und erbarmt sich; er führt in die Unterwelt hinab und führt wieder herauf, und niemand kann seiner Hand entrinnen.
Preist ihn, ihr Kinder Israel, vor den Heiden, denn er ist’s, der uns unter sie zerstreut hat.
Dort verkündet seine Herrlichkeit, erhebt ihn vor allen Lebenden! denn er ist unser Herr und Gott, er unser Vater in alle Ewigkeit.
Er wird uns züchtigen um unserer Vergehen willen, aber sich auch wieder erbarmen und uns sammeln aus allen Völkern, wohin immer ihr unter sie zerstreut worden seid.
Wenn ihr euch mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zu ihm hinwendet, um Treue vor ihm zu üben, so wird er sich wieder zu euch wenden und sein Angesicht nicht mehr vor euch verbergen. Wenn ihr dann schauen werdet, was er mit euch tut, so werdet ihr ihn mit vollem Munde preisen und den Herrn der Gerechtigkeit rühmen und den ewigen König erheben. Ich preise ihn hier im Lande meiner Gefangenschaft und verkünde seine Macht und Herrlichkeit einem Volke von Sündern. Bekehrt euch, ihr Sünder, und übt Gerechtigkeit vor ihm! Wer weiß, ob er euch nicht annimmt und euch Barmherzigkeit angedeihen läßt?
Ich erhebe meinen Gott, und meine Seele gehört dem Könige des Himmels und soll ob seiner Herrlichkeit frohlocken.
Alle sollen sprechen und ihm danksagen in Jerusalem:
›Jerusalem, du Stadt des Heiligen! er wird dich züchtigen wegen der Taten deiner Söhne, aber sich auch der Söhne der Gerechten erbarmen.
Preise den Herrn, wie es recht ist und rühme den ewigen König, damit sein Zelt wieder in dir aufgerichtet werde mit Freuden und er in dir die Gefangenen beglücke und den Elenden in dir seine Liebe erweise von Geschlecht zu Geschlecht in alle Ewigkeit!‹
Viele Völker werden aus der Ferne kommen, um den Namen Gottes des Herrn anzubeten, mit Geschenken in den Händen, mit Geschenken für den König des Himmels; die künftigen Geschlechter alle werden dir zujauchzen.
Verflucht seien alle, die dich hassen! gesegnet werden alle sein, die dich lieben, in Ewigkeit.
Freue dich und frohlocke über die Söhne der Gerechten, denn sie werden versammelt werden und den Herrn der Gerechten preisen.
O selig die, welche dich lieben! Sie werden sich deines Friedens freuen. Selig die, welche getrauert haben ob all deiner Züchtigungen! Denn sie werden sich deiner freuen, wenn sie alle deine Herrlichkeit schauen, und ihre Freude wird ewig währen.
Meine Seele preise Gott, den großen König!
denn Jerusalem wird aufgebaut werden mit Saphiren und Smaragden, deine Mauern mit köstlichem Gestein, deine Türme und Befestigungswerke mit lauterem Golde;
und die Straßen Jerusalems werden gepflastert sein mit Beryll, Karfunkel und Steinen aus Ophir;
und alle ihre Gassen werden Halleluja rufen und Lobpreis darbringen mit den Worten: Gepriesen sei Gott, der dich erhöht hat, für alle Ewigkeit! Und Tobit endigte seinen Lobpreis.
V. Schluß der Geschichte Tobits und des Tobias
Tobit war 58 Jahre alt, als er das Augenlicht verlor, und acht Jahre später wurde er wieder sehend.
Er spendete weiterhin Almosen und fuhr fort, Gott zu fürchten und ihn zu preisen.
Als er nun ein hohes Alter erreicht hatte, rief er seinen Sohn und dessen Söhne und sagte zu ihm: Mein Sohn, siehe, ich bin alt geworden und stehe im Begriff, aus dem Leben zu scheiden. So nimm denn deine Kinder
und ziehe nach Medien, denn ich glaube an alles, was der Prophet Jona über Ninive gesagt hat, daß es nämlich zerstört werden wird, während in Medien bis zu einer gewissen Zeit mehr Friede herrschen wird, und daß unsere Brüder, die noch im Lande sind, zerstreut werden weit hinweg von ihrer schönen Heimat; Jerusalem wird wüste liegen und das Haus Gottes in ihm verbrannt werden, und die Stadt wird eine Zeit lang verwüstet sein.
Aber Gott wird sich ihrer wieder erbarmen und sie in ihr Vaterland zurückkehren lassen. Sie werden dann den Tempel wieder aufbauen, aber nicht wie der frühere war, bis die Weltzeiten erfüllt sind. Darnach werden sie aus der Gefangenschaft heimkehren und Jerusalem prächtig aufbauen; auch das Haus Gottes wird darin als ein herrliches Bauwerk für alle Ewigkeit wiederhergestellt werden, wie die Propheten es angekündigt haben.
Und alle Völker werden sich dazu bekehren, Gott den Herrn aufrichtig zu fürchten, und werden ihre Götzenbilder vergraben.
Und alle Völker werden den Herrn preisen, und sein Volk wird Gott danken; und der Herr wird sein Volk zu Ehren bringen, und freuen werden sich alle, die Gott den Herrn aufrichtig und nach Gebühr lieben, indem sie unsern Brüdern Barmherzigkeit erweisen.
Und nun, mein Sohn, ziehe von Ninive fort; denn sicherlich wird alles das eintreffen, was der Prophet Jona angekündigt hat.
Du aber halte das Gesetz und die Gebote, beweise dich liebestätig und gerecht, auf daß es dir wohlgehe.
Begrabe mich anständig und deine Mutter neben mir, und bleibt dann nicht länger in Ninive. Mein Sohn, bedenke, wie Haman an seinem Erzieher Achjachar gehandelt hat, wie er ihn aus dem Licht in die Finsternis geführt und wie er ihm vergolten hat. Aber Achjachar ist gerettet worden, während jener seinen Lohn erhielt und selbst in die Finsternis hinabfuhr. Manasse übte Wohltätigkeit und wurde aus der Schlinge des Todes gerettet, die jener ihm gelegt hatte. Haman aber fiel in die Schlinge und kam um.
Und nun, meine Kinder, bedenkt wohl, was die Mildtätigkeit vermag und wie die Gerechtigkeit errettet. Während er so noch redete, verschied er auf seinem Lager. Er war 158 Jahre alt, und man begrub ihn in allen Ehren.
Als dann auch Anna starb, begrub er sie neben seinem Vater. Tobias aber zog mit seiner Frau und seinen Kindern nach Ekbatana zu seinem Schwiegervater Raguel
und wurde alt in Ehren. Er bestattete seine Schwiegereltern ehrenvoll und erbte deren Vermögen, sowie das seines Vaters Tobit.
Er starb im Alter von 127 Jahren zu Ekbatana in Medien.
Vor seinem Tode erhielt er noch die Kunde von der Zerstörung Ninives, welches Nabuchodonosor und Asverus erobert hatten. So konnte er sich noch vor seinem Tode über Ninive freuen.
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