Psalm 76-79 · Tag 154
Klage, Erinnerung und Hoffnung vor dem Gott, der richtet, trägt und sich seines Volkes erbarmt.
Weitere Folgen
Kapitel & Zeitmarken
Mitlesen
Text dieser Folge Zum Mitlesen aufklappen
Dem Musikmeister, mit Saitenspiel; ein Psalm von Asaph , ein Lied.
Allbekannt ist Gott in Juda,
in Israel ist groß sein Name;
in Salem erstand seine Hütte
und seine Wohnstatt in Zion.
Allda hat er zerbrochen des Bogens Blitze,
Schild und Schwert und jegliche Kriegswehr. SELA.
Ruhmvoll bist du, herrlich
von den ewigen Bergen her.A
Ausgeplündert wurden die tapferen Streiter,
sanken hin in ihren Todesschlaf,
und all den Helden versagte der Arm :
vor deinem Drohruf, du Gott Jakobs,
sanken in Betäubung so Wagen wie Rosse.
Ja du bist furchtbar, und wer kann bestehn
vor dir, sobald dein Zorn entbrannt ist?
Vom Himmel her kündigtest du das Gericht an:
da erschrak die Erde und wurde still,
als Gott sich erhob zum Gerichtsvollzug,
um allen Bedrückten auf Erden zu helfen. SELA.
Denn der Menschen Grimm wird dir zum Lobpreis,
wenn zuletzt du dich gürtest mit Zornesflammen.A
Bringt Gelübde dar und erfüllt sie dem HERRN, eurem Gott:
alle, die ihn rings umgeben,
müssen Geschenke dem Schrecklichen bringen,
ihm, der den Hochmut der Fürsten dämpft
und furchtbar ist den Königen der Erde.
Erinnerungen in leidvoller Zeit an Gottes frühere Führungen und Klage über die Änderung des göttlichen Verhaltens gegen sein Volk
Dem Musikmeister über die Jeduthuniden ; von Asaph ein Psalm.
Laut ruf’ ich zu Gott, ja ich will schreien,
laut ruf’ ich zu Gott: »Ach, höre mein Flehen!«
Wenn Drangsalszeiten über mich kommen, such’ ich den Allherrn;
meine Hand ist nachts ohn’ Ermatten ausgestreckt,
meine Seele will sich nicht trösten lassen.
Denk’ ich an Gott, so muß ich seufzen;
sinne ich nach,A so verzagt mein Geist. SELA.
Du hältst mir die Augenlider offen,
ich bin voll Unruhe und kann nicht reden.
Ich überdenke die Tage der Vorzeit,
die längst entschwundenen Jahre;
ich denke bei Nacht an mein Saitenspiel,
ich sinne in meinem Herzen nach,A
und es grübelt mein Geist und fragt:
»Wird der Allherr auf ewig verstoßen
und niemals wieder Gnade üben?
Ist seine Güte für immer erschöpft?
sind seine Verheißungen abgetan für alle Zukunft?
Hat Gott vergessen, gnädig zu sein,
oder im Zorn sein Erbarmen verschlossen?« SELA.
Da sagte ich mir: »Das bekümmert mich schmerzlich,
daß das Walten des Höchsten sich hat geändert.«
Ich will gedenken der Taten des HERRN,
will gedenken deiner Wunder von der Vorzeit her,
will sinnen über all dein Tun
und deine großen Taten erwägen.
O Gott, erhaben ist dein Weg :
wo ist eine Gottheit so groß wie Gott?
Du bist der Gott, der Wunder tut,
du hast deine Macht an den Völkern bewiesen,
hast dein Volk erlöst mit starkem Arm,
die Kinder Jakobs und Josephs. SELA.
Als die Wasser dich sahen, o Gott,
als die Wasser dich sahen, erbebten sie,
auch die Tiefen des Weltmeers zitterten;
die Wolken ergossen sich in strömenden Regen,
das Gewölk ließ Donner erkrachen,
und deine Pfeile fuhren einher;
deine Donnerstimme dröhnte am Himmelsgewölbe,
Blitze erhellten den Erdkreis,
es bebte und schwankte die Erde.
Durchs Meer ging dein Weg dahin
und dein Pfad durch gewaltige Fluten;
doch deine Spuren waren nicht zu erkennen.
Du hast dein Volk geführt wie eine Herde
unter Leitung von Mose und Aaron.
Warnender Rückblick auf Israels wiederholten Ungehorsam
Ein Lehrgedicht von Asaph .
Gib acht, mein Volk, auf meine Belehrung,
leiht euer Ohr den Worten meines Mundes!
Ich will auftun meinen Mund zur Rede in Sprüchen,
will Rätsel verkünden von der Vorzeit her.
Was wir gehört und erfahren
und unsere Väter uns erzählt haben,
das wollen wir ihren Kindern nicht verschweigen,
sondern dem künftgen Geschlecht verkünden
die Ruhmestaten des HERRN und seine Stärke
und die Wunder, die er getan hat.
Denn er hat ein Zeugnis aufgerichtet in Jakob
und festgestellt in Israel ein Gesetz,
von dem er unsern Vätern gebot,
es ihren Kindern kundzutun,
auf daß die Nachwelt Kenntnis davon erhielte:
die Kinder, die geboren würden,
sollten aufstehn und ihren Kindern davon erzählen,
daß sie auf Gott ihr Vertrauen setzten
und die Taten Gottes nicht vergäßen
und seine Gebote befolgten,
daß sie nicht wie ihre Väter würden,
ein trotziges und widerspenstiges Geschlecht,
ein Geschlecht mit wankelmütigem Herzen,
dessen Geist sich nicht zuverlässig zu Gott hielt.
Ephraims Söhne, bogengerüstete Schützen,
haben den Rücken gewandt am Tage des Kampfes.
Sie hielten den gottgestifteten Bund nicht
und wollten nicht wandeln in seinem Gesetz;
nein, sie vergaßen seine Taten
und seine Wunder, die er sie hatte sehen lassen.
Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan
im Lande Ägypten, im Gefilde von ZoanA.
Er spaltete das Meer und ließ sie hindurchziehn
und türmte die Wasser auf wie einen Wall;
er leitete sie bei Tag durch die Wolke
und während der ganzen Nacht durch Feuerschein;
er spaltete Felsen in der Wüste
und tränkte sie reichlich wie mit Fluten;
Bäche ließ er aus dem Felsen hervorgehn
und Wasser gleich Strömen niederfließen.
Dennoch fuhren sie fort, gegen ihn zu sündigen,
und widerstrebten dem Höchsten in der Wüste;
ja, sie versuchten Gott in ihren Herzen,
indem sie Speise verlangten für ihr Gelüst,
und redeten gegen Gott mit den Worten:
»Kann Gott wohl einen Tisch in der Wüste uns decken?
Wohl hat er den Felsen geschlagen, daß Wasser
flossen heraus und Bäche sich ergossen;
doch wird er auch vermögen Brot zu geben
oder Fleisch seinem Volke zu schaffen?«
Drum, als der HERR das hörte, ergrimmte er:
Feuer entbrannte gegen Jakob,
und Zorn stieg auf gegen Israel,
weil sie an Gott nicht glaubten
und auf seine Hilfe nicht vertrauten.
Und doch gebot er den Wolken droben
und tat die Türen des Himmels auf,
ließ Manna auf sie regnen zum Essen
und gab ihnen himmlisches Brotkorn:
Engelspeise aßen sie allesamt,
Reisekost sandte er ihnen zur Sättigung.
Hinfahren ließ er den Ostwind am Himmel
und führte durch seine Kraft den Südwind herbei;
Fleisch ließ er auf sie regnen wie Staub
und beschwingte Vögel wie Meeressand;
mitten in ihr Lager ließ er sie fallen,
rings um ihre Wohnungen her.
Da aßen sie und wurden reichlich satt,
und was sie gewünscht, gewährte er ihnen.
Noch hatten sie ihres Gelüsts sich nicht entschlagen,
noch hatten sie ihre Speise in ihrem Munde,
da stieg der Ingrimm Gottes gegen sie auf
und erwürgte die kräftigen Männer unter ihnen
und streckte Israels junge Mannschaft zu Boden.
Trotz alledem sündigten sie weiter
und glaubten nicht an seine Wunder .
Drum ließ er ihre Tage vergehn wie einen Hauch
und ihre Jahre in angstvoller Hast.
Wenn er sie sterben ließ, dann fragten sie nach ihm
und kehrten um und suchten Gott eifrig
und dachten daran, daß Gott ihr Fels sei
und Gott, der Höchste, ihr Erlöser.
Doch sie heuchelten ihm mit ihrem Munde
und belogen ihn mit ihrer Zunge;
denn ihr Herz hing nicht fest an ihm,
und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.
Doch er war barmherzig, vergab die Schuld
und vertilgte sie nicht,
nein, immer wieder hielt er seinen Zorn zurück
und ließ nicht seinen ganzen Grimm erwachen;
denn er dachte daran, daß Fleisch sie waren,
ein Windhauch, der hinfährt und nicht wiederkehrt.
Wie oft widerstrebten sie ihm in der Wüste,
kränkten sie ihn in der Öde!
Und immer aufs neue versuchten sie Gott
und betrübten den Heiligen Israels.
Sie dachten nicht mehr an seine starke Hand,
an den Tag, wo er sie vom Bedränger erlöste,
als er seine Zeichen in Ägypten tat,
seine Wunder im Gefilde von Zoan .
Er verwandelte dort in Blut ihre Ströme ,
so daß man ihr fließendes Wasser nicht trinken konnte;
er sandte unter sie Ungeziefer, das sie fraß,
und Frösche, die ihnen Verderben brachten;
er gab ihre Ernte den Freßgrillen preis
und die Frucht ihrer Arbeit den Heuschrecken;
er zerschlug ihre Reben mit Hagel,
ihre Maulbeerfeigenbäume mit Schloßen;
er gab ihr Vieh dem Hagel preis
und ihren Besitz den Blitzen;
er sandte gegen sie seines Zornes Glut,
Wut und Grimm und Drangsal:
eine ScharA von Unglücksengeln;
er ließ seinem Ingrimm freien Lauf,
entzog ihre Seele nicht dem Tode,
überließ vielmehr ihr Leben der Pest;
er ließ alle Erstgeburt in Ägypten sterben,
der Manneskraft Erstlinge in den Zelten Hams.
Dann ließ er sein Volk ausziehn wie Schafe
und leitete sie in der Wüste wie eine Herde
und führte sie sicher, so daß sie nicht bangten;
ihre Feinde aber bedeckte das Meer.
So brachte er sie nach seinem heiligen Gebiet,
in das Bergland, das er mit seiner Rechten erworben,
und vertrieb vor ihnen her die Völker,
verloste ihr Gebiet als erblichen Besitz
und ließ in ihren Zelten die Stämme Israels wohnen.
Doch sie versuchten und reizten Gott, den Höchsten,
und hielten sich nicht an seine Gebote,
sondern fielen ab und handelten treulos, ihren Vätern gleich;
sie versagten wie ein trüglicher Bogen
und erbitterten ihn durch ihren Höhendienst
und reizten ihn zum Eifer durch ihre Götzenbilder.
Als Gott es vernahm, ergrimmte er
und verwarf Israel ganz und gar:
er gab seine Wohnung in Silo auf,
das Zelt, das er aufgeschlagen unter den Menschen;
er ließ seine Macht in Gefangenschaft fallen
und seine Zier in die Hand des Feindes;
er gab sein Volk dem Schwerte preis
und war entrüstet über sein Erbteil ;
seine jungen Männer fraß das Feuer,
und seine Jungfraun blieben ohne Brautlied;
seine Priester fielen durchs Schwert,
und seine Witwen konnten keine Totenklage halten.A
Da erwachte der Allherr wie ein Schlafender,
wie ein vom Wein übermannter Kriegsheld;
er schlug seine Feinde von hinten
und gab sie ewiger Schande preis.
Auch verwarf er das Zelt Josephs
und erwählte nicht den Stamm Ephraim,
sondern erwählte den Stamm Juda,
den Berg Zion, den er liebgewonnen;
und er baute den ragenden Bergen gleich sein Heiligtum,
fest wie die Erde, die er auf ewig gegründet.
Dann erwählte er David, seinen Knecht,
den er wegnahm von den Hürden des Kleinviehs;
von den Mutterschafen holte er ihn,
daß er Jakob weide, sein Volk,
und Israel, seinen Erbbesitz.
Der weidete sie mit redlichem Herzen
und leitete sie mit kundiger Hand.
Klagelied des Gottesvolkes über die Verwüstung Jerusalems
Ein Psalm von Asaph .
O Gott, in dein Eigentum sind Heiden eingedrungen,
haben deinen heiligen Tempel entweiht,
Jerusalem zu Trümmerhaufen gemacht!
Sie haben die Leichen deiner Knechte
den Vögeln des Himmels zum Fraß gegeben,
den wilden Tieren des Landes die Leiber deiner Frommen!
Sie haben deren Blut vergossen wie Wasser
rings um Jerusalem her, und niemand hat sie begraben!
Wir sind unsern Nachbarn zur Schmähung geworden,
ein Spott und Hohn den Völkern um uns her!
Wie lange, o HERR, willst du unversöhnlich zürnen?
Bis wann soll lodern dein Eifer wie Feuer?
Gieß deine Zornglut über die Heiden aus, die dich nicht kennen,
auf die Reiche, die deinen Namen nicht anrufen!
Denn sie haben Jakob gefressen
und seine Wohnstatt verwüstet.
Rechne uns nicht die Schuld der Väter an,
laß eilends dein Erbarmen uns angedeihn!
Denn gar schwach sind wir geworden.
Hilf uns, du Gott unsers Heils,
um der Ehre deines Namens willen!
Errette uns und vergib uns unsere Sünden
um deines Namens willen!
Warum sollen die Heiden sagen: »Wo ist ihr Gott?«
Laß kundwerden an den Heiden vor unsern Augen
die Rache für das vergossne Blut deiner Knechte!
Laß vor dich kommen das Seufzen der Gefangenen;
kraft deines starken Armes
erhalte am Leben die dem Tode Geweihten!A
Und zahle unsern Nachbarn siebenfach heim in ihren Busen
den Hohn, mit dem sie dich, o Allherr, gehöhnt!
Wir aber, dein Volk und die Herde, die du weidest,
wir wollen dir ewiglich danken,
von Geschlecht zu Geschlecht verkünden deinen Ruhm!
Gebet um Wiederherstellung Israels, des von Gott gepflanzten Weinstocks
Vertiefung
Kernsatz des Tages
Wer vor Gott klagt, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
Verdichteter Impuls
Diese Psalmen stehen nicht außerhalb der Erschütterung. Sie kennen Bedrohung, Scham, Schuld, Verwüstung und die lange Nacht einer Seele, die keine schnelle Antwort findet.
Verlangsamungsfrage
Welche Erinnerung an Gottes Treue könnte dich tragen, ohne deinen Schmerz zu verleugnen?
Dein Schritt für heute
Vielleicht hältst du kurz inne und sprichst leise einen Satz: „Gott, daran will ich mich erinnern.“
Folgendetails
Personen in dieser Folge
Zu hören: Samuel Glöggl.
Weitergehen
Weitere Podcasts von Samuel Glöggl: Katechismus in einem Jahr, Von der inneren Regierung oder direkt diese Arbeit mittragen.