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Judit 13-16 · Tag 113 · 2025

Mut, der Geschichte schreibt – wie Gott durch dich wirken kann!

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Als es nun spät geworden war, beeilten sich seine Gäste, die Beamten, aufzubrechen. Bagoas schloß das Zelt von außen und entließ die Anwesenden aus dem Zusammensein mit seinem Herrn, und sie suchten ihre Nachtlager auf, denn sie waren alle infolge der langen Dauer des Mahles müde geworden.
So blieb denn Judith allein im Zelte zurück mit Holofernes, der, vom Wein überwältigt, vornüber auf sein Lager gesunken war.
Nun hatte Judith ihrer Magd befohlen, draußen vor ihrem Schlafgemach stehen zu bleiben und, wie täglich, auf ihr Herauskommen zu warten; sie hatte nämlich gesagt, sie würde zum Gebet herauskommen, und auch dem Bagoas hatte sie das Gleiche gesagt.
Als nun alle von ihr weggegangen waren und niemand mehr im Schlafgemach anwesend war, weder groß noch klein, trat Judith an sein Lager heran und betete still in ihrem Herzen: Herr, Gott aller Macht! blicke in dieser Stunde auf das, was meine Hände vornehmen zur Verherrlichung Jerusalems!
Denn jetzt ist es an der Zeit, daß du dich deines Eigentumsvolkes annimmst und mein Vorhaben ausführst zum Verderben der Feinde, die sich gegen uns erhoben haben!
Hierauf trat sie an die Säule des Bettes, die zu Häupten des Holofernes stand, nahm sein Schwert von dort herab,
näherte sich dem Lager und faßte ihn bei den Haaren, indem sie betete: Stärke mich, du Gott Israels, an diesem Tage!
Hierauf schlug sie ihn zweimal mit aller ihrer Kraft in den Hals und hieb ihm den Kopf ab.
Dann wälzte sie seinen Leib vom Bette herab, riß das Mückennetz von den Stangen, ging nach kurzer Weile hinaus und übergab den Kopf des Holofernes ihrer Zofe,
die ihn in ihren Speisesack warf. Alsdann gingen sie beide nach ihrer Gewohnheit zusammen hinaus zum Gebet. Sie durchschritten das Lager, umwanderten das Tal dort, stiegen den Berg von Betylua hinauf und gelangten an das Stadttor.
Von ferne schon rief Judith den Torwächtern zu: Das Tor auf! das Tor auf! Mit uns ist Gott, unser Gott, der immer noch Kraft in Israel und Sieg über die Feinde zu wirken vermag, wie er es auch heute getan hat!
Als nun die Männer der Stadt ihre Stimme vernahmen, stiegen sie in aller Eile zum Stadttor hinab und riefen die Ältesten der Stadt zusammen.
Da kam alles herzugelaufen, klein und groß; denn es schien ihnen unglaublich, daß sie wiedergekommen sei. Sie öffneten nun das Tor und ließen die beiden ein, zündeten dann ein Feuer an, um Helligkeit zu schaffen, und umringten sie.
Sie aber rief ihnen mit lauter Stimme zu: Lobt Gott, lobet! Lobt Gott, der dem Hause Israel sein Erbarmen nicht entzogen, sondern unsere Feinde in dieser Nacht durch meine Hand geschlagen hat!
Hierauf zeigte sie ihnen den Kopf, den sie aus dem Sack hervorgeholt hatte, und sagte zu ihnen: Seht, das ist der Kopf des Holofernes, des obersten Befehlshabers des assyrischen Heeres, und seht, das ist das Mückennetz, unter dem er in seiner Trunkenheit lag; der Herr hat ihn durch die Hand eines Weibes erschlagen.
So wahr der Herr lebt, der mich auf meinem Wege behütet hat: mein Gesicht hat ihn verführt zu seinem Verderben, aber er hat sich nicht an mir vergehen und keine Schmach und Schande über mich bringen können!
Da geriet das ganze Volk in großes Erstaunen, sie knieten nieder, beteten Gott an und riefen einmütig aus: Gepriesen seist du, unser Gott, der du heute die Feinde deines Volkes vernichtet hast!
Ozias aber sagte zu ihr: Gesegnet seist du, meine Tochter, vom höchsten Gott mehr als alle Weiber auf Erden, und gesegnet sei Gott der Herr, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der es dir hat gelingen lassen, den Kopf des Anführers unserer Feinde abzuschlagen!
Denn deine Hoffnung wird nicht schwinden aus den Herzen der Menschen, solange sie der Macht Gottes eingedenk bleiben in Ewigkeit.
Möge Gott dir dieses zu ewigem Ruhme gedeihen lassen, daß er dich mit Wohltaten segne zum Lohn dafür, daß du dein Leben nicht geschont hast um der Erniedrigung deines Volkes willen, sondern unserm Fall dich entgegengestellt hast, indem du vor unserm Gott auf rechtem Wege wandeltest! Und alles Volk rief: So sie es! so sei es!

Darauf sagte Judith zu ihnen: Hört mich an, meine Brüder! Nehmt diesen Kopf und hängt ihn an die Brustwehr eurer Mauer.
Und wenn der Morgen anbricht und die Sonne über der Erde aufgeht, so nehmt allesamt eure Kriegswaffen und zieht, alle kriegstüchtigen Männer, aus der Stadt hinaus; setzt einen Anführer über sie, als ob ihr in die Ebene gegen die Vorhut der Assyrer hinabziehen wolltet. Doch ihr braucht nicht hinabzuziehen,
denn jene werden ihre Waffen ergreifen und in ihr Lager abmarschieren; dort werden sie die Feldherren des assyrischen Heeres wecken und zum Zelte des Holofernes laufen, ihn aber nicht finden; infolge davon werden sie erschrecken und die Flucht vor euch ergreifen.
Dann verfolgt ihr sie im Verein mit allen Bewohnern des Landes Israel und haut sie auf allen Wegen nieder.
Bevor ihr aber dieses tut, ruft mir den Ammoniter Achjor; er soll den Mann sehen und erkennen, der das Haus Israel verachtet und ihn selbst zu uns als zum Tode geschickt hat.
Man rief also den Achjor aus dem Hause des Ozias. Als er kam und den Kopf des Holofernes in der Hand eines Mannes unter dem versammelten Volke sah, fiel er vornüber zu Boden und verlor die Besinnung.
Als man ihn dann aufhob, warf er sich vor Judith nieder, bezeigte ihr seine Huldigung und rief aus: Gepriesen seist du in allen Hütten Israels und unter allen Völkern, welche erschrecken werden, wenn sie deinen Namen hören.
Und nun erzähle mir doch alles, was du in diesen Tagen getan hast. Da erzählte ihm Judith, mitten unter dem Volke stehend, alles was sie getan hatte seit dem Tage ihres Weggangs bis jetzt, wo sie mit ihnen redete.
Als sie ihren Bericht beendet hatte, brach das Volk in lauten Jubel aus und ließ ein Freudengeschrei in der ganzen Stadt erschallen.
Als Achjor aber alles sah, was der Gott Israels vollbracht hatte, glaubte er fest an diesen Gott; er ließ sich beschneiden und wurde in das Haus Israel aufgenommen bis auf diesen Tag.
Als nun der Morgen anbrach, hängten sie den Kopf des Holofernes an die Mauer, ergriffen dann Mann für Mann ihre Waffen und zogen in Scharen nach den Zugängen zum Berge.
Als die Assyrer sie erblickten, schickten sie Boten an ihre Anführer; diese begaben sich zu den Feldherren und Obersten und zu allen ihren Hauptleuten.
Die verfügten sich zum Zelte des Holofernes und sagten zu dem Hausmarschall: Wecke doch unsern Herrn, denn das Knechtsgesindel wagt es zum Kampfe mit uns herabzukommen, um völlig vernichtet zu werden.
Bagoas ging also hinein und klopfte am Vorhang des Zeltes; er nahm nämlich an, Holofernes schlafe bei der Judith.
Da aber niemand sich hören ließ, schob er den Vorhang zurück, trat in das Schlafgemach und fand ihn tot am Fußschemel hingestreckt daliegend mit abgehauenem Kopfe.
Da erhob er ein lautes Geschrei mit Weinen und Wehklagen und Geheul und zerriß seine Kleider.
Dann eilte er in das Zelt, wo Judith gewohnt hatte, und als er sie dort nicht fand, stürzte er unter das Kriegsvolk hinaus und schrie:
Dieses Knechtsgesindel hat Verrat geübt! Ein einziges hebräisches Weib hat Schande über das Haus des Königs Nabuchodonosor gebracht! Ach, da liegt Holofernes am Boden ohne Kopf!
Als die Anführer des assyrischen Heeres diese Worte vernahmen, zerrissen sie ihre Kleider und waren ganz fassungslos; Wehklagen und lautes Geschrei erscholl von ihnen inmitten des Lagers.

IV. Vierter Teil: Schluß. Sieg der Israeliten und Verherrlichung der Judith
Als nun die Kriegsleute in den Zelten das erfuhren, gerieten sie über das Geschehene in Entsetzen;
Furcht und Zittern befiel sie; niemand blieb noch mit einem andern zusammen, sondern sie stoben allzumal auseinander und flohen auf allen Wegen in der Ebene und im Berglande.
Auch die Mannschaften, die im Berglande rings um Betylua gelagert waren, ergriffen die Flucht. Da fielen die Israeliten, wer nur immer die Waffen führen konnte, überall über sie her,
und Ozias schickte nach Betomasthaim, Chobai und Chola und in das ganze israelitische Gebiet Boten, um dort die bisher erlangten Erfolge zu melden und zu erreichen, daß alle sich auf die Feinde zu deren Vernichtung stürzten.
Als die Israeliten das vernahmen, fielen sie allzumal über sie her und schlugen sie bis Choba. Ebenso stellten sich auch die Mannschaften aus Jerusalem und aus dem ganzen Berglande ein; denn man hatte ihnen Kunde von den Vorkommnissen im Lager ihrer Feinde gegeben, und auch die in Gilead und Galiläa überflügelten die Fliehenden und brachten ihnen schwere Verluste bei bis über Damaskus und dessen Gebiet hinaus.
Was aber von Einwohnern in Betylua zurückgeblieben war, warf sich auf das assyrische Lager, plünderte es und machte reiche Beute;
und als die Israeliten vom Kampfe heimkehrten, bemächtigten sie sich des Restes; und auch die Dörfer und Gehöfte im Berglande sowie in der Ebene gewannen reiche Beute, denn es war eine ungeheure Menge.
Auch der Hohepriester Jojakim und der Hohe Rat der Israeliten, die in Jerusalem wohnten, kamen, um das Herrliche zu sehen, das der Herr an Israel getan hatte, und um Judith zu besuchen und freundlich zu begrüßen.
Als sie nun in ihr Haus eingetreten waren, sprachen sie allesamt ihre hohe Anerkennung gegen sie aus mit den Worten: Du bist der Ruhm Jerusalems, du bist der hohe Stolz Israels, du bist die schöne Zierde unsers Volkes!
Du hast dies alles mit eigener Hand vollbracht und dir hohe Verdienste um Israel erworben, an denen Gott sein Wohlgefallen haben möge! Gesegnet seist du von dem allmächtigen Herrn für alle Ewigkeit! Und alles Volk rief: So sei es!
Dreißig Tage lang war das ganze Volk mit der Plünderung des Lagers beschäftigt, und man gab der Judith das Zelt des Holofernes mit dem gesamten Silbergeschirr, Bettwerk, Becken und allen sonstigen Geräten. Sie nahm die Sachen und belud ihr Maultier damit, ließ dann ihre Wagen anspannen und packte alles darauf.
Und aus ganz Israel liefen die Frauen zusammen, um sie zu sehen; sie priesen sie und führten ihr zu Ehren Reigentänze auf. Da nahm Judith Laubzweige in die Hände und gab sie den Frauen, die bei ihr waren.
Auch bekränzte sie sich mit Ölzweigen, sie und die Frauen, die bei ihr waren; dann schritt sie an der Spitze des ganzen Volkes als Führerin aller Frauen dahin, den Reigen tanzend, und alle israelitischen Männer folgten ihr in Waffen, bekränzt und mit Lobliedern im Munde.

Judith hob dann folgendes Dankgebet vor ganz Israel an, und das ganze Volk stimmte in dieses Loblied mit ein, Judith sprach:
Stimmt meinem Gott zu Ehren ein Lied an mit Pauken, singet meinem Herrn mit Zimbeln! Laßt ihm ein neues Lied ertönen, erhebt seinen Namen und ruft ihn an!
Denn der Herr ist ein Gott, der Kriegen ein Ende macht, denn in sein Lager inmitten seines Volkes hat er mich gerettet aus meiner Verfolger Hand.
Der Assyrer kam von den Bergen im Norden, er kam mit vielen Tausenden seiner Streitmacht; ihre Menge erschöpfte die Bäche, und ihre Rosse bedeckten die Hügel. Er gedachte, meine Gefilde zu verbrennen, meine jungen Männer mit dem Schwert zu töten, meine Säuglinge zu Boden zu schleudern, meine Kindlein als Beute hinzugeben und meine Jungfrauen wegzuschleppen.
Aber der Herr, der Allgebieter, hat sie vernichtet durch eines Weibes Hand.
Denn nicht durch Jünglinge ist ihr Gebieter gefallen, auch nicht Söhne von Titanen haben ihn erschlagen, noch gewaltige Riesen ihn angegriffen; nein, Judith, die Tochter Meraris, hat ihn durch ihres Angesichts Schönheit bezwungen.
Denn ihre Witwenkleider legte sie ab, um den Bedrängten Israels aufzuhelfen; sie salbte ihr Antlitz mit kostbarem Öl
und flocht ihr Haar unter dem Kopfbund und legte ein leinenes Kleid an, um ihn zu berücken.
Ihre Sandalen entzückten seine Augen, ihre Schönheit nahm seine Sinne gefangen: – das Schwert durchschnitt ihm den Hals.
Es schauderte die Perser ob ihrer Kühnheit, und die Meder waren ob ihres Muts entsetzt.
Da frohlockten meine Verzagten, und meine Schwachen jauchzten laut. Sie aber wurden in Angst versetzt, erhoben lautes Wehgeschrei und flohen davon.
Die Söhne junger Weiber durchbohrten sie und schlugen sie nieder wie flüchtige Sklaven; sie fielen durch die Heerscharen meines Herrn.
Singen will ich meinem Gott ein neues Lied: Herr, groß bist du und ruhmreich, wunderbar an Kraft, unübertrefflich.
Dir muß dienen deine ganze Schöpfung, denn du gebotst, da trat sie ins Dasein; du sandtest deinen Geist aus, der bildete , und keines ist da, das deinem Geheiß widerstände.
Denn Berge werden auf ihrem Grunde wanken samt den Wassern, Felsen vor deinem Anblick zerschmelzen wie Wachs; aber denen, die dich fürchten, – ihnen bist du gnädig.
Denn geringen Wert hat jegliches Opfer lieblichen Wohlgeruchs und wertlos ist dir alles Fett des Brandopfers; doch wer den Herrn fürchtet, ist immerdar groß.
Wehe den Heiden, die sich wider mein Volk erheben! Der Herr, der Allgebieter, wird sie strafen am Tage des Gerichts; Feuer und Würmer wird er in ihre Leiber geben, daß sie heulen vor Schmerzen in Ewigkeit.
Als sie dann in Jerusalem angekommen waren, beteten sie Gott an, und nachdem das Volk sich gereinigt hatte, brachten sie ihre Brandopfer und ihre freiwilligen Gaben und Geschenke dar.
Judith legte alles, was das Volk ihr von den Gerätschaften des Holofernes geschenkt hatte, im Heiligtum nieder; auch das Mückennetz, das sie aus dem Schlafzimmer des Holofernes mitgenommen hatte, weihte sie Gott als Geschenk.
Das Volk aber überließ sich der Freude in Jerusalem vor dem Heiligtum drei Monate lang; und Judith blieb während dieser Zeit bei ihnen.
Als dann nach diesen Tagen jeder in seiner Heimat zurückkehrte, begab sich auch Judith wieder nach Betylua und lebte dort auf ihrer Besitzung; sie blieb, solange sie lebte, berühmt im ganzen Lande.
Viele wünschten sie als Gattin zu besitzen, aber sie ging keine zweite Ehe ein, nachdem ihr Gatte Manasse gestorben und zu seinen Vätern versammelt war.
Sie lebte noch sehr lange und wurde im Hause ihres Mannes 105 Jahre alt. Ihrer Zofe schenkte sie die Freiheit. Sie starb in Betylua, und man begrub sie in dem Felsengrab ihres Mannes Manasse.
Das Haus Israel betrauerte sie sieben Tage lang. Vor ihrem Tode hatte sie ihre Habe unter die nächsten Verwandten ihres Mannes Manasse und ihre eigenen Angehörigen verteilt.
Und solange sie lebte und noch lange Zeit nach ihrem Tode gab es keinen mehr, der die Israeliten schreckte.

Folgendetails

Veröffentlicht am 23. April 2025Laufzeit 18 Min. 45 Sek.

Personen in dieser Folge

Samuel Glöggl

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